Auf dem Bild sieht man die Startseite des Blogs "Pflugblatt".

„My Blog is my Castle“ – Markus Pflugbeil im Interview

Über Leser-Anrufe, Tabu Themen und die Vorteile des Bloggens gegenüber Social Media

Egal ob auf Instagram, TikTok, LinkedIn oder per Newsletter: Das Internet bietet einem so viele Möglichkeiten wie noch nie, selbst verfasste Inhalte zu veröffentlichen. Umso überraschender wirkt es dann, wenn jemand noch auf einen „echten“ Blog setzt. So wie Markus Pflugbeil. Er ist bei vibrio Berater und Mitglied der Geschäftsleitung und beschäftigt sich seit Jahren mit PR, Content-Marketing und B2B-Kommunikation. Als Journalist und Kommunikationsexperte schreibt er nicht nur regelmäßig auf diesem Blog, sondern auch auf seinem eigenen, dem „Pflugblatt“. Dort behandelt er Themen wie Fotografie, Medien und alles, was ihn gerade so beschäftigt.

Im Gespräch erklärt er, warum das Bloggen für ihn bis heute eine besondere Bedeutung hat und warum Reichweite dabei nicht die wichtigste Rolle spielt.

Vom Weinblog zum digitalen Tagebuch

Auf dem Bild ist eine Collage verschiedener Bilder von Markus Pflugbeils Blog zu sehen.

Begonnen hat alles mit einem spezifischen Thema: dem Wein. Markus Pflugbeil beschäftigte sich intensiv mit Weinkultur und dokumentierte sein Interesse dafür seit 2006 auf seinem ersten eigenen Blog (dessen Inhalte leider im technischen Nirwana verschwunden sind). Mit der Zeit änderten sich seine Interessen und damit auch die Themen für den Blog.

„Wenn man rückblickend darauf schaut, ist Bloggen immer auch ein Stück Selbstdarstellung“, sagt Pflugbeil. Was ihn beschäftigt, spiegelt sich in seinen Beiträgen wider. Deshalb geht es heute nicht mehr nur um einzelne Fachthemen wie Wein, sondern er hat das Pflugblatt zu einer Plattform entwickelt, auf der er seinen verschiedenen Interessen einen Platz gibt. In letzter Zeit ist dabei insbesondere die Fotografie immer stärker in den Fokus gerückt.

Markus setzt für seinen Blog auf ein Design, das stark auf Bilder ausgerichtetet ist. Er nutzt dafür das kostenlose Theme „Block lite“, das insbesondere die Vorteile des Texteditors Gutenberg ausschöpft. Außerdem ist es ein Theme, das sehr gut mit unterschiedlichen Bildschirmgrößen, auch am Tablet oder Smartphone, zurechtkommt. Dafür sind keine individuellen Einstellungen notwendig.

Selbstbestimmt publizieren

Was Markus Pflugbeil bis heute am Bloggen so begeistert, ist die Selbstbestimmung.

„Du hast keinen Chefredakteur oder Programmdirektor, keinen Herausgeber und keinen Verlag, der entscheidet, worüber du schreiben darfst. Und du benötigst keine Druckerei oder Sendeanstalt fürs Bloggen.“
Für ihn lag genau darin der ursprüngliche Reiz des Bloggens. Jeder kann seine eigenen Themen veröffentlichen, ohne von einem Redakteur, den notwendigen Produktionsmittel oder einer Social-Network-Plattform abhängig zu sein. Während soziale Netzwerke ihre Funktionen und Algorithmen ständig verändern, bleibt der eigene Blog die digitale Heimat. Pflugbeil fasst es in einem Satz zusammen:

„My Blog is my Castle – was ich hier mache, technisch und inhaltlich, bestimme nur ich.“

Dank WordPress kann er selbst über Design, Funktionen, Inhalte, Veröffentlichungszeitpunkte und die Verwendung technischer Weiterentwicklungen entscheiden – ohne Programmierer oder Web-Server-Experte zu sein. Eines der technischen Updates soll in naher Zukunft auf seinem Blog umgesetzt werden. Damit soll es seinen Leserinnen und Lesern bald möglich sein, Kommentare zu seinen Beiträgen auf mehreren Plattformen zu sehen. So würde man beispielsweise von einem Kommentar auf Mastodon durch einen Klick auf seinen Blog kommen und umgekehrt. Das macht er nicht unbedingt für mehr Reichweite, sondern eher für eine bessere Verknüpfung seiner Beiträge auf verschiedenen Plattformen.

Blogs gegen die Plattformlogik

Trotzdem sieht Pflugbeil die Grenzen klassischer Blogs realistisch. Die Reichweite sozialer Netzwerke ist damit kaum zu erreichen. Auf die Frage, ob Blogs noch Einfluss auf öffentliche Debatten haben können, antwortet er mit einem klaren „Nein“. Es fehlt schlicht und einfach die Reichweite.

„Wer nicht gesehen wird, wer nicht gelesen wird, wer nicht gehört wird, der kann ja auch keinen Einfluss haben.“
Aus seiner Sicht war die Hoffnung vieler Bloggerinnen und Blogger in den Anfangsjahren teilweise überzogen. Während klassische Medien große Reichweiten bündeln und viele Themen gleichzeitig anbieten, bleiben Blogs meist Nischenangebote.

Dennoch haben sie für ihn weiterhin eine wichtige Funktion. Denn gerade, weil soziale Netzwerke durch ihre Algorithmen und Plattformlogiken so hohe Reichweiten erzielen, sieht er Blogs als bedeutende, unabhängige Gegenmodelle.

Außerdem können Blogs heute weit mehr sein als reine Textplattformen. Videos, Podcasts, Bilder, Newsletter oder Social-Media-Inhalte lassen sich problemlos einbinden und an einem Ort, in diesem Fall dem Blog, zusammenführen. Der Blog wird so eine digitale Visitenkarte, sowohl privat wie beruflich für Unternehmen, ist sich Markus sicher. „Das wird auch immer noch unterschätzt.“

Auf dem Bild ist ein Blogbeitrag von Markus Pflugbeil mit viel Text zu sehen.
So sieht es aus, wenn alte Beiträge nicht für das neue Theme angepasst wurden. Markus nutzt nur wenige der über 70.000 WordPress-Plugins, vornehmlich, um die Sicherheit des Blogs und die Integration zu verbessern.

Schreiben ohne Reichweitenzwang

Während viele Content Creator auf Klickzahlen und Follower achten, verfolgt Markus privat einen anderen Ansatz.

„Ich blogge nicht, um Reichweite zu bekommen. Ich blogge für mich selbst. Und wen das interessiert, der ist herzlich eingeladen.“ Die Leserzahlen seien für ihn zweitrangig. Viel wichtiger ist für ihn die Freiheit, auf einer eigenen Plattform seine Gedanken, Fotos und Themen veröffentlichen zu können. Wer sich dafür interessiert, findet den Weg zum Blog. Wer sich nicht dafür interessiert, müsse auch nicht angesprochen werden.

Wenn plötzlich das Telefon klingelt

Auf dem Bild sieht man Fotos seiner bayrischen Heimat.
Markus lebt und arbeitet im Herzen des Chiemgau, der Kreis- und Hochschulstadt Traunstein (FH Rosenheim). Ausflüge in die Region und natürlich immer wieder an den Chiemsee sind deshalb häufig auf dem Blog zu sehen.

Dass private Blogs trotz überschaubarer Reichweite echte Verbindungen schaffen können, zeigt eine seiner Anekdoten zum Pflugblatt.

Ein älterer Leser, der offensichtlich regelmäßig seine Fotobeiträge verfolgte, rief ihn eines Tages einfach an und fragte nach dem Kamera-Equipment und der Nachbearbeitung. Für Markus war das ein besonderer Moment. Nach Jahren des Publizierens im Internet wurde aus einem anonymen Leser plötzlich ein realer Gesprächspartner. Genau dieser persönliche Austausch sei etwas, das soziale Netzwerke oft nicht in gleicher Weise ermöglichen.

„Das war, als ob jemand an deiner Haustüre läutet und mit dir über deinen schönen Garten sprechen will“, erinnert sich Markus.

Tabu-Themen

Obwohl Pflugbeil sich selbst gerne mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzt, vermeidet er bewusst einen politischen Schwerpunkt auf seinem Blog.

Nicht aus Angst vor Diskussionen, sagt er, sondern weil er die oft eskalierende Dynamik digitaler Debatten vermeiden möchte. Als Beispiel nennt er dabei einen älteren Blogbeitrag über die zunehmende Größe von Autos. Obwohl der Beitrag vergleichsweise harmlos formuliert war und eine geringe Reichweite hatte, erhielt er innerhalb kürzester Zeit zahlreiche, vermutlich auch Bot-gesteuerte Kommentare, kritische Kommentare. Für ihn zeigt das, wie schnell Diskussionen im digitalen Raum emotional werden können und wie schnell sie sich dem eigenen Einfluss entziehen können. Seitdem gibt er jeden Kommentar einzeln frei, um eine bessere Kontrolle zu haben.

Auf dem Bild ist ein Zettel über eine Blogger-Konferenz zu sehen.
Berufsbedingt finden einige Kommunikationsthemen mit professionellem Bezug hier auf vibrio oder auf LinkedIn statt. Wenn Meta-Themen wie Bloggerkonferenzen ein breiteres Themenspektrum abdecken, kommen sie auch mal auf dem Pflugblatt vor. Da Online-Konferenzen schwer zu bebildern sind, leider auch hier: Textwüste.

Die Zukunft des Bloggens

Ob Blogs jemals wieder die Bedeutung der frühen Blogosphäre erreichen werden (falls sie sie jemals hatten), bezweifelt Markus Pflugbeil. Dennoch sieht er für sie weiterhin einen festen Platz im digitalen Raum. Eben nicht als Massenmedium, sondern als selbstbestimmte Plattform für Menschen, die ihre Inhalte unabhängig veröffentlichen möchten. Vielleicht liegt genau darin ihre größte Stärke.

„Die Möglichkeit, alles veröffentlichen zu können, das ist Bloggen. Dazu gehört nicht nur die inhaltliche Kreativität als auch der Wille, sich zumindest mit dem technischen Basiswissen zu befassen. Was man daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.“

Illustrationen © Alle Bilder: Screenshots vom Blog mit Erlaubnis von Markus. Das Urheberrecht für alle sichtbaren Bilder liegt bei Markus, außer Zukunft_Bloggen (von Rock the Blog).

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