Der Innenraum von einem edlen Geschäft mit vielen Handtaschen

Der Handel im Wandel oder kaufen Sie noch im Geschäft ein?

Ab dem 22. Februar findet in Düsseldorf die EuroShop, die Weltleitmesse für den Handel statt. Unser Kunde LANCOM Systems präsentiert in dem Teilbereich „EuroCIS“ IT-Lösungen für Retail-Infrastrukturen, damit der Handel moderne Szenarien wie Mobile Payment, Self Checkout oder Kunden Apps realisieren kann. Aber sichert die Digitalisierung intern und am Point of Sale dem stationären Handel die Zukunft? 

Das Wörtchen „noch“ in der Überschrift fasst in vier Buchstaben zusammen, was im stationären Handel Sache ist: eine Krise. Kann man das so sagen? Nein. Der kontinuierliche Wandel hin zum Online-Handel findet seit vielen Jahren statt. Laut Erhebungen des Instituts für Handelsforschung (IFH Köln) ist bei den Vertriebsformen der Anteil des Online-Handels in den Jahren von 2014 bis 2024 von 3,3 Prozent auf 7,1 Prozent gestiegen, hat sich in zehn Jahren also mehr als verdoppelt. Dennoch gelangen Waren zu mehr als 90 Prozent über alle anderen Vertriebswege an Kundinnen und Kunden. Von einer Dominanz des Online-Handels sind wir im Jahr 2025 noch meilenweit entfernt – auch wenn das so manche Umfrage zum Weihnachtsgeschäft glauben ließ.

Grafik zu den Vertriebsformen des Handels von der IFH 2025

(Quelle: HDE Zahlenspiegel 2025, S. 20, Hrsg. HDE Handelsverband Deutschland e. V., Stand: Oktober 2025)

Entsprechend bedeutsam ist die Messe EuroShop im Februar, die all das bietet, was für die Retail-Branche wichtig ist. Die Messe-Kategorien reichen von der Geschäftsausstattung, Ladenbau und Beleuchtung über Energiemanagement und Umwelttechnik bis eben hin zu IT-Lösungen beziehungsweise Digitalisierung im Handel. Diese Themen gewinnen an Bedeutung, denn die Kundschaft wünscht sich im Ladengeschäft durchaus digitale Services.

Was wünschen sich Kundinnen und Kunden vom Handel?

Bereits 2020 hat der Digitalverband Bitkom e. V. in einer Umfrage herausgefunden, dass sich Kundinnen und Kunden über folgende Angebote freuen würden – und da war die Corona-Pandemie gerade erst im Anflug:

  • Die meisten Befragten wünschten sich WLAN im Geschäft (40 %).
  • Bonusprogramme auf dem Smartphone fanden 37 % wünschenswert.
  • 35 % sprachen sich für Echtzeit-Infos über den Vorrat im Laden aus.
  • Für 30 % wären Sonderangebote als App willkommen.
  • Für Transparenz per Tablet, Smartphone oder QR-Code sprachen sich 28 % aus.
  • Die Wenigsten, 21 %, wünschten sich eine Navigations-App für Geschäfte. 

 

Vier Jahre später gehen die Wünsche an den stationären Handel noch stärker in Richtung E-Commerce. Die quasi durch die Pandemie erzwungenen Erfahrungen mit Online-Bestellungen schlagen sich in dieser Umfrage nieder. Denn durch Corona wurde das kontaktlose Bezahlen ebenso salonfähig wie Food Delivery. Kurzum: Die Online-Alternativen zum Ladengeschäft wurden bekannter und haben sich über die Pandemie hinaus etabliert.

Grafik vom Bitkom e. V. zu den Wünschen der Konsumenten

(Quelle: Bitkom-Research 2024)

Konsumenten haben laut Umfrage damit begonnen, den stationären Handel mit dem Online-Handel zu kombinieren. Was steht auf ihrem Wunschzettel ganz oben?

  • Click & Collect: Zuhause die Waren aussuchen, reservieren und danach vor Ort abholen.
  • Die Abholung der bestellten Waren an automatisierten Abholstationen. (Ähnlich den Packstationen der Deutschen Post.) 
  • Bargeldloses Bezahlen immer und überall.
  • Lieferung der vor Ort gekauften Produkte nach Hause. 

 

Das sind die Prios von Kundinnen und Kunden. Wie sehen die Prioritäten auf der anderen Seite aus? Was steht denn auf der Agenda des Handels?

Wie wichtig ist die Digitalisierung für den Handel?

Dem Zahlenspiegel des „Handelsverband Deutschland – HDE – e. V.“ ist das Ranking der Top-Themen 2025 zu entnehmen. Unter den aufgezählten 11 Kategorien liegt das Thema „Digitalisierung/Onlinehandel“ nur auf Rang 9. Zur Einordnung seien die Top-3 für 2025 erwähnt: „Kaufzurückhaltung“, „Belastungen Mittelstand“ und „Mindestlohn“, also Faktoren, die makro-ökonomisch den Umsatz beeinflussen.

Wo wird bei der Digitalisierung investiert?

Zoomen wir näher in den Bereich Digitalisierung hinein, liegen die Prioritäten ebenfalls klar auf verkaufsfördernden Maßnahmen wie zum Beispiel auf der Steigerung der Präsenz in Sozialen Netzwerken, auf digitalem Marketing und auf den Investitionen in die Gestaltung der Verkaufsräume. Es dürfte vor allem das steigende Engagement des Handels auf Facebook, Instagram und Tiktok zu mehr Umsatz im jüngeren Kundensegment führen.

Ob davon allerdings das Ladengeschäft profitiert, ist die Frage. Vor allem für kleinere Nischenanbieter sind die führenden Online-Handelsplattformen wie Amazon, Ebay und Etsy eine große Chance, um ihre Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings bedrängt die Konkurrenz aus Asien die europäischen Anbieter. Allein die Plattform „Temu“ hat laut einer Analyse des EHI Retail Instituts im Jahr 2024 im deutschen Markt ein Umsatzplus von 284,6 Prozent erzielt.

Digitale Lösungen, die den Wünschen von Konsumenten entgegenkommen, finden sich in diesem Ranking aus dem Jahr 2024 eher im Mittelfeld oder im unteren Teil der Liste: Warenwirtschaftssysteme, Mobile Payment, E-Business, Self-Checkout oder Click & Collect.

Grafik zu den Digitalisierungsvorhaben von IFH aus dem HDE-Zahlenwerk 2025

Der Handel hat sich auf Konsumenten eingestellt

Bereits 2023 hat der Bitkom in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden: „Ohne Online-Angebote kommt praktisch kein Händler mehr aus“. Demnach verkaufen 85 Prozent der Händler in der Kombination von online und stationär. 29 Prozent konnten sich vor drei Jahren bereits vorstellen, im Jahr 2030 nur noch online zu verkaufen. Auch der Wunsch der Konsumenten nach bargeldloser Bezahlung ist weitestgehend umgesetzt. Das Gleiche gilt für die Bereitstellung eines WLANs im Geschäft, das bereits zwei Drittel der befragten Handelsunternehmen realisiert hätten.
Trotz dieser Erfolge schätzen sich gemäß dieser Umfrage 68 Prozent der Teilnehmer als digitale Nachzügler ein, 23 Prozent waren der Ansicht, sie seien Vorreiter in der digitalen Transformation des Handels.

Grafik vom Bitkom e. V. über hybride Vertriebswege im deutschen Handel von 2023

IT-Anbieter liefern die Infrastruktur-Lösungen für den hybriden Handel und letzten Endes, durch Big Data und KI, auch Vorteile für die Konsumenten.

  • IT-Lösungen in der Retail-Logistik verhindern zum Beispiel die Verschwendung von Lebensmitteln, indem durch eine dynamische Preisanpassung bei bald ablaufenden Mindesthaltbarkeitsdaten der Preis reduziert wird. Digitale Preisschilder können der Kundschaft binnen Sekunden Rabatte und weitere Informationen anzeigen (Dynamic Pricing). Digitale Etiketten sind bei einem sehr umfangreichen Sortiment hilfreich, wenn sie mit Ortungsfunktionen ausgestattet sind. 
  • Werden Daten aus dem Offline- und Online-Handel miteinander verknüpft und ausgewertet, gewinnen Handelsunternehmen fundierte Erkenntnisse über das Einkaufsverhalten und die Präferenzen ihrer Kunden. Das stärkt nicht nur das zielgruppenspezifische Marketing. Auch die Warenwirtschaft kann sich effizient auf die Nachfrage einstellen. Die Lieferlogistik wird so präzise gemäß der Nachfrage optimiert (Dynamic Forecasting). Für Kundinnen und Kunden ergibt sich daraus eine höhere Produktqualität an den Frischetheken, bei Obst und Gemüse, im Kühlregal und bei Tiefkühlkost.
  • Die Ladengestaltung kann durch eine Kundenstromanalyse für eine bessere Kundenerfahrung und ein schöneres Einkaufserlebnis sorgen.
  • Am Point of Sale (POS) haben Kundinnen und Kunden kassenlose Systeme und SB-Kassen sehr gut akzeptiert. Was das schwedische Möbelhaus Ikea bereits 2008 als Vorreiter eingesetzt hat, ist mittlerweile im Lebensmitteleinzelhandel erfolgreich umgesetzt. So eröffnete Rewe Anfang 2023 in Berlin, München und Köln erste kassenlose Supermärkte und diese wurden stark ausgebaut. Auch bei anderen Handelsunternehmen wie Edeka oder Lidl sind sie heute im Einsatz, Tendenz steigend.
  • Selbstbedienungskassen (SB-Kassen) sind vor allem wegen des fehlenden Personals auf dem Vormarsch. Das Handelsforschungsinstitut EHI gibt an, dass im Jahr 2025 von insgesamt 710.000 Kassen rund 38.650 SB-Kassen sind.
  • Nachhaltigkeit wird für Kundinnen und Kunden immer wichtiger. Sie möchten sich über die Herkunft der Ware sowie Herstellungs- und Produktionsbedingungen informieren. Das ist unter anderem mit QR-Codes umsetzbar.

IT-Sicherheit im Handel auf maximalem Niveau

Die Retail-Branche hat im Zuge der digitalen Transformation einen großen Bedarf an IT-Security-Lösungen. Denn mit zunehmender IT steigt auch die Anzahl der Angriffspunkte, über die Cyber-Kriminelle einfallen. Im B2C-Handel kommt im Vergleich zum B2B-Markt eine Komponente dazu. Neben dem firmeneigenen Netzwerk müssen auch die Kontaktpunkte mit der Kundschaft und ihre Daten geschützt werden. So ist zum Beispiel für all diejenigen Point-of-Sale-Systeme zwingend eine spezialisierte Sicherheitslösungen vorgeschrieben, an denen mit Kreditkarten wie Visa oder Mastercard bezahlt werden kann, der „Payment Card Industry Data Security Standard“ (PCI-DSS).

Die zentrale Verwaltung von Filialen erfordert ein sicheres, skalierbares und leistungsstarkes Netzwerk. Dazu gehört unter anderem ein sicherer und verschlüsselter Zugang zu den Warenwirtschaftssystemen und ein verschlüsselter VPN-Zugang der Filialen zur Zentrale. Über den Zero Trust Network Access erfolgt der rollenbasierte Zugriff auf geschäftskritische Systeme.

Alle Daten sollten in einer zentralen europäischen Cloud DSGVO-konform gesichert und geschützt sein. Externe Dienstleister, Lieferanten und Partner werden idealerweise über eine logisch getrennte Netzwerk-Virtualisierung in das Filialnetzwerk eingebunden. Da Webseiten für Hacker ein beliebtes Einfallstor sind, sind sichere Web-Gateways und Web-Application Firewalls, Multi-Faktor-Authentifizierung unabdingbar.

Fazit

Der stationäre Handel nähert sich den Wünschen der Kundinnen und Kunden an. Aber die digitale Transformation im Retail bietet noch viel Potenzial, um das Einkaufen in Geschäften attraktiver zu gestalten. Dabei geht es um eine clevere Kombination aus Online-Handel und dem Vor-Ort-Einkauf. SB-Kassen allein sind nicht das Ende der Fahnenstange. Das weiß auch der Handel und engagiert sich in den kommenden Jahren verstärkt für mehr Präsenz in den Sozialen Netzwerken. Unumkehrbar ist der Trend, dass der Handel mindestens hybride Vertriebswege unterhält, zum Teil den stationären Handel sogar ganz aufgibt. Eine erfolgreiche Omnichannel-Strategie setzt aber auf einer entsprechend leistungsstarken IT auf, durch die hohe Datenvolumina (Big Data) analysiert und im Sinne eines positiven Einkaufserlebnisses der Kundschaft genutzt werden können. Auf die neuesten Trends, Innovationen und Technologien, die auf der EuroShop präsentiert werden, dürfen wir gespannt sein.

Illustrationen © Titelbild: pixabay von Pexels, CCL

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