KI im Content Marketing

Die Künstliche Intelligenz wird die PR verändern. Aber erfolgreicher Content entsteht nicht automatisch!

Endlich wird vibrio überflüssig. Und alle anderen PR-Agenturen auch: „Der KI-gestützte Pressemitteilungsgenerator von [Verrate-ich-nicht] analysiert Ihre spezifische Zielgruppe
und die Präferenzen bezüglich des Tons, um markenkonforme Inhalte zu erstellen, die die Leser fesseln.“ Dieses kostenlose Tool zum automatischen Generieren von Pressemitteilungen revolutioniert die PR auf Basis modernster KI:

• „Müheloses Schreiben: Erstellen Sie mit nur wenigen Eingaben eine professionell verfasste Pressemitteilung

• Content Insights: Automatische Zusammenfassung und Synthese mehrerer Quellen zur Aufdeckung einzigartiger Sichtweisen

• KI-gestützte Präzision: Das Tool nutzt KI-Technologie und sorgt für Genauigkeit, Klarheit und ansprechende Inhalte. Es schlägt optimale Formulierungen, Überschriften und Strukturen vor, um Aufmerksamkeit zu erregen.

• SEO-optimiert: Erstellen Sie suchmaschinenfreundliche Inhalte, die darauf ausgelegt sind, bei Google ein hohes Ranking zu erzielen“

[Verrate-ich-nicht] geht davon aus, dass eine professionelle Pressemitteilung „zwischen 4.500 und 4.500 US-Dollar“ [sic!] kostet. Pro Jahr spart ein Unternehmen mit dem neuen KI-gestützten Pressemitteilungsgenerator locker 801.030 Euro ein.

Schöne neue Welt?

Sie merken schon, da sind ein paar amerikanische Wunderdoktoren am Werk. Mit Hilfe von Google finden Sie den Anbieter dieser Traummaschine schnell selbst. Es geht sicher auch ein wenig seriöser. Aber auch in Deutschland tummeln sich gerade jede Menge Heilsversprecher, die glauben – und versprechen – man könne mit ein wenig KI-Unterstützung schnelle und natürlich billige PR-Erfolge einfahren. Schließlich kann man ja mit den KI-Werkzeugen wie ChatGPT, Perplexity oder wie sie alle heißen mögen schon recht ordentliche Textdokumente erzeugen. Aber kann man das wirklich? Wir haben es versucht. Und nicht mal so nebenbei. Nein, bei vibrio haben wir schon im August 2024 ein staatlich gefördertes Forschungsprojekt mit dem schönen Titel „Entwicklung und Einrichtung eines KI-basierten Content-Produktionssystems“ aufgesetzt. Ende März 2026 endet dieses Projekt. Wir sitzen schon am Abschlussbericht. Und eines kann ich schon verraten: Die KI wird in der Tat die Arbeitsweise der PR erheblich verändern. Aber erfolgreicher Content wird auch in den nächsten Jahren nicht automatisch von KI-Engines erstellt werden. Das haben wir gelernt.

Was die KI wirklich leisten kann und wird

Die KI wird uns PR-Leute von Routine-Tätigkeiten entlasten. Wenn es um die Pflege von Metadaten und Alt-Texten geht, dann leistet die KI gute Dienste. Auch Übersetzungen können mit KI-basierten Systemen wie Deepl heute erheblich schneller und qualitativ besser realisiert werden als früher.

Konsistenzsicherung

KI-Systeme werden uns auch darin unterstützen, die Konsistenz von Governance-Systemen zu sichern, also zum Beispiel von kundenspezifischen Wörterbüchern. Ein Beispiel: Wir arbeiten in unserem Forschungsprojekt mit dem offenen KI-System Mindverse. Dabei handelt es sich um ein in Deutschland gehostetes System, das auf die Bedürfnisse von Content-Entwicklern optimiert ist. Für uns ist das aus zwei Gründen wichtig: Es ist eine professionelle Lösung für B2B-Kunden und berücksichtigt die Security-Belange deutscher und europäischer Kunden. „Hosted in Germany“ ist für viele unserer Kunden im Zeitalter der Digitalen Souveränität unverzichtbar. Schließlich haben wir während unseres Forschungsprojekts in Mindverse für einige Kunden kundenspezifische Sprachmodelle aufgebaut. Wir haben der KI-Engine also beigebracht, worauf es beim Erstellen von Content für den konkreten Kunden ankommt:

  • Wie positioniert sich der Kunde im Markt?
  • Wie lauten Leitbild, Vision, Mission Statement?
  • Welche Regeln gelten für seine Corporate Identity?
  • Wie ist sein Kommunikationston?
  • Welche Sprachregeln gelten für ihn?
  • Welches Wording gilt in seiner Produktwelt?

Dafür mussten wir vertrauliche Informationen in vertrauliche Datenräume hochladen, auf die niemand außer uns Zugriff hat. Selbstverständlich haben wir dies nur mit Zustimmung des Kunden getan. Hier gelten extrem umfangreiche Sicherheitsregeln. Mit Systemen wie ChatGPT wären solche Dinge gar nicht möglich, mit KI-Tools, die ihre Server in den USA hosten, wäre all dies nach deutschen Regeln nicht erlaubt.

Natürlich unterstützen uns KI-Systeme auch in der Recherche, aber anders, als sich das viele heute vorstellen. Lässt man die KI einfach auf offene Informations-Pools wie das Internet los, so erhält man häufig gefährliche Falschinformationen und muss viel Arbeit in die Nachrecherche, in die Falsifikation der Ergebnisse stecken. Das Risiko der Verbreitung von falschen Inhalten ist groß. Wer seriös arbeiten will, für den ist die Nutzung von KI sehr gefährlich. Journalisten wissen das. Das Schlimmste aber ist, dass sich KI-produzierte Fehler fortpflanzen: Wissenschaftler schätzen, dass heute rund 50 Prozent der neu ins Internet gespielten Inhalte KI-generiert sind. Die KI nutzt diese Inhalte aber wieder als Quelle. So pflanzen sich auch KI-generierte Falschinformationen laufend fort. Denn leider wird die KI von Leuten genutzt, die Informationen nicht professionell überprüfen.

Recherche als Wissensmanagement

Bei vibrio setzen wir die Recherche-Kraft von KI deshalb vor allen Dingen zur Recherche in geschlossenen Systemen ein. Wir grenzen also die Suche der KI-Tools zum Beispiel auf die Web-Sites unseres Kunden ein. Sie kennen den alten Satz: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß …“ Große Unternehmen leiden darunter, dass sie so viele Informationen bevorraten, dass sie selbst den Überblick über ihr Wissen verlieren. Hier kann KI helfen. KI ist ein wunderbares Tool für internes Wissensmanagement.

Entscheidungsunterstützung

KI ist ein starkes Tool in der Entscheidungsunterstützung. Tatsächlich lassen sich mit KI-Systemen heute komplexe Entscheidungen im Management effizient vorbereiten, angefangen von Anträgen zur Forschungsfinanzierung bis hin zu Investitionsentscheidungen. Aber natürlich geht auch dies nicht in offenen KI-Systemen wie ChatGPT. Sie wollen doch nicht Ihre internen Business-Daten in ChatGPT veröffentlichen, oder?

Dabei ist es kaum zu glauben, in wie vielen Unternehmen heute Mitarbeiter*innen vertrauliche Betriebsdaten ungehindert in Systeme wie ChatGPT einspeisen. Ich hoffe, Sie haben für Ihr Unternehmen bereits KI-Guidelines verabschiedet. Die EU-KI-Verordnung wird Sie dazu im kommenden Sommer zwingen, ob Sie wollen oder nicht. Die Regelung der Nutzung von KI-Systemen ist Sache der Geschäftsführung. Hier geht es nicht nur um Produktivität, sondern um den Schutz von Betriebsgeheimnissen. Übrigens: Falls Sie Fragen zu KI-Guidelines im Unternehmen haben, dürfen Sie gerne auf mich zukommen. Anruf genügt.

Redaktion durch KI? Echt nicht?

Nein, echt nicht. Oder sagen wir mal: nur zum Teil!

KI-gestützt lassen sich Textvarianten erstellen, aber auch nur in Modulen. Und vermutlich nur für eine Übergangszeit. Natürlich hilft einem die KI dabei, die Texte SEO-technisch zu optimieren. Und auch GEO-technisch lassen sich Texte optimieren. GEO ist Ihnen schon ein Begriff, oder? GEO = Generative Engine Optimization, also eine Art Suchmaschinenoptimierung (SEO) für KI-Engines. ChatGPT „sucht“ und findet nämlich anders als Google. Bei GEO kommt es nicht nur auf Keywords, sondern auch auf Kernabsätze, Belege und Entitäten an. Was wird nun wichtig? Zum Beispiel:

  • Ein zusammenfassender Kernabsatz
  • Produkt- und Unternehmensnamen (Entitäten)
  • Begriffsdefinitionen
  • Kleine Informationsschnipsel mit Belegstellen
  • Interne Links zur Vertiefung

Dies ist nur ein Einstieg. Das Thema GEO ist ähnlich komplex wie das Thema SEO. Grundsätzlich kennt die KI die Kriterien und kann hier unterstützen.

Aber jetzt kommt das große ABER …

Die KI erkennt auch, wenn ein Text von einer KI verfasst wurde. Und dann bewertet die KI einen Text als wenig authentisch. Irgendwie sind KI-Texte immergleich oder zumindest immerähnlich. Und wenn es die KI mal nicht erkennt, dann erkennen es die Leser. Und dann schalten die Leser ab. Auf Dauer hat das Immergleiche im Netz keine Chance. Hoffentlich nicht bei den Lesenden, sicher nicht bei der KI, also bei den Suchmaschinen der Zukunft. Und genau deshalb wird die KI uns kreative Schreibende nicht ersetzen.

Und was macht die KI mit Bildern?

In der Bildproduktion sieht das nun aber schon ganz anders aus. Die Bereitstellung von Bildmaterial wird erheblich durch die KI verändert werden. Klassische Stock-Photographie wird einen Höllentod sterben – einfach, weil sie zu aufwändig und teuer ist. Ich rede hier nicht von den gefährlichen Dingen wie der Wiederauferstehung von Marilyn Monroe und Adolf Hitler als Sex-Spielzeug. Das interessiert mich als B2B-Agentur nun wirklich nicht. Was aber Adobe Photoshop mit seinen KI-Erweiterungen heute leisten kann, ist abenteuerlich. Das Photoshooting von Maschinenteilen, die Illustration von Softwareprozessen, alles das lässt sich KI-gestützt heute mit bester Qualität aussteuern. Und die Rechte sind – zumindest bei Adobe – geklärt: Natürlich muss man angeben, dass die KI im Spiel war. Einmal mehr sind wir beim Thema KI-Guidelines angelangt.

Kurz und gut …

Was also macht die KI in der Content-Produktion?

  • Die KI automatisiert nicht die Textproduktion.
  • Die KI erleichtert Übersetzungen und die Sicherstellung kundenspezifischer Konsistenzen in der Content-Produktion.
  • Die KI unterstützt die Recherche, v. a. in geschlossenen Systemen und wird zum zentralen Tool im Wissensmanagement.
  • Die KI ersetzt großteils die Produktion von Stock-Fotos.
  • Die KI unterstützt PR-Manager in der Entscheidungsfindung.

Illustrationen © Michael Kausch mit KI Adobe Firefly Gemini 2.5 am 27.01.26

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