Ausstellungsbereich der B2B-Convention "ECR in Motion". Viele Menschen in einer Messehalle

Die ECR iN MOTiON - Bericht aus Bonn

Mit plugilo bei GS1 Germany

Raider heißt jetzt Twix und der ECR Tag heißt jetzt ECR iN MOTiON. Unter diesem neuen Label traf sich im Bonner World Conference Center im alten Regierungsviertel am 16. und 17. September 2026 alles, was Rang, Namen und Innovation hat im Bereich des Handels.

Eines schon mal vorweg: Ist die ECR iN MOTiON nun eigentlich weiblich oder männlich? Oder sächlich? Also ich meine: DIE Konferenz? DER Kongress? DAS Event? Auf meine Frage hat mir eine nette Kollegin vom Veranstalter GS1 Germany erklärt, ECR iN MOTiON sei Convent und habe deshalb gar keinen Artikel. Also, ich war auf

ECR iN MOTiON by GS1 Germany, B2B-Convention für Industrie, Handel und Dienstleister, bei der die ganze Wertschöpfungskette zusammenkommt.


Es war eine Konferenz, eine Ausstellung und eine Bühne und alles war sehr gut. Durch und durch. Ihr Leitmotiv „Collaboration for Shopper Value“ zog sich dabei wie ein roter Faden durch fast jedes Gespräch, jede Session, jeden Stand.

Aussteller auf der ECR in Motion
50 Stände formierten sich zu einer spannenden Ausstellung, die an beiden Tagen gut besucht war. In sieben Konferenzräumen fanden, zum Teil gleichzeitig, Vorträge und Diskussionen statt.

Location & Setting: WCCB als perfekte Bühne für INSPIRE, EMPOWER, CONNECT

Das „World Conference Center Bonn“, WCCB, funktionierte für dieses Format hervorragend: Viel Raum, klare Wege, aber vor allem diese spürbare „Convention“-Dramaturgie mit drei Orten, die wirklich unterschiedlich wirken. Die MOTiON Stages lieferten die großen Impulse, die MOTiON Studios sorgten für Tiefe und Transfer. Doch die MOTiON Hall war das pulsierende Herz, wo Inhalte ganz automatisch in Kontakte übergingen. Genau hier merkte man: Das Event war bewusst kein Massen-Event, sondern setzte auf kuratierte Relevanz. Gefühlt jede zweite Person, die ich traf, war Entscheider*in oder trieb Transformationsprojekte voran – von Supply Chain über Category bis Data/AI.

Auftakt: KI, Retail-Thesen und eine Arena als Case für Resilienz

Nach Welcome Coffee & Community Time startete die Bühne mit der Eröffnung durch Thomas Fell, Geschäftsführer der GS1 Germany, moderiert von Ute Soldierer. Ihn traf ich über Mittag dann auch noch zum persönlichen Gespräch am Stand von plugilo.

Thomas Fell, Geschäftsführer von GS1 Germany GmbH, eröffnete gemeinsam mit Moderatorin Ute Soldierer am Mittwoch das Event.
Thomas Fell, Lead GS1 Germany GmbH, eröffnete gemeinsam mit Moderatorin Ute Soldierer am Mittwoch das Event.

Der erste Knall kam direkt danach: Dominic von Proeck (Leaders of AI) sprach darüber, wie KI-Agenten Organisationen grundlegend verändern. Im Saal wurde wenig genickt und viel mitgeschrieben – weil es nicht um Buzzwords ging, sondern um echte Organisations- und Prozesslogik. Dominic hat sich mit einem ganzen Stab von KI-Agenten umgeben, die nicht nur seine Reisen vorbereiten, sondern sich heute schon gegenseitig briefen und das Verfassen der Prompts übernehmen. In seinem Unternehmen gibt es auch bereits einen KI-Agenten, der das Recruiting neuer KI-Agenten übernommen hat. Er berichtete vom chinesischen Tool mirofish, das auf Wunsch innerhalb kurzer Zeit bis zu einer Million künstlicher Kunden generiert, die als KI-Agenten miteinander über Produkte diskutieren und ihre viralen Produkterfahrungen austauschen. Sie bilden einen viralen KI-Markt, den Produktentwickler nutzen können, um Kundenerfahrungen in der Entwicklung zu berücksichtigen, noch weit, bevor ein Produkt auf den Markt kommt.

Auf dem B2B-Convent ECR in Motion diskutieren Dominic von Proeck (Leaders of AI) und Christoph Werner von dm-drogerie markt.
Dominic von Proeck (Leaders of AI), links im Bild, und Christoph Werner von dm-drogerie markt diskutierten nach ihren Vorträgen noch eine Weile gemeinsam über die Zukunft des Handels im Zeitalter von KI.

Ebenso stark: Christoph Werner (dm-drogerie markt) mit der provokanten Linie „Retailing is essential, retailers are not“ – ein Satz, der in der Pause an zig Kaffeetischen weiterdiskutiert wurde. Er zitierte meinen alten Boss Bill Gates mit den Worten „Banking ist necessary, banks are not“ und übersetzte diese Worte aus dem Jahr 1994 in seine Branche: „Handel ist notwendig, Ladengeschäfte sind es nicht unbedingt.“ Denise Klug, Ressortleiterin für Technologie und Logistik bei der renommierten Lebensmittelzeitung, hat es sich denn auch nicht nehmen lassen, Christoph Werner im Anschluss an seinen Vortrag noch zwanzig Minuten auf der Bühne intensiv zur Zukunft des Handels zu befragen.

Und dann Stefan Löcher (LANXESS arena): Sein Vortrag über den Weg „von der Krise zum Publikumsmagneten“ war ein erstaunlich übertragbarer Resilienz-Case, auch für Handels- und Industrieunternehmen, die gerade durch volatile Zeiten navigieren.

Parallel-Sessions: Regulatorik, 2D-Codes & Agentic Commerce – die Themen waren 2026 eindeutig.

Was die ECR iN MOTiON besonders macht, ist dieses „It’s your choice“-Prinzip: Man stellt sich sein Programm selbst zusammen und landet trotzdem ständig mitten in den spannendsten Debatten.

In den Sessions war klar: 2026 ist ein Jahr der Umsetzung. Besonders präsent waren:

  • EmpCo kompakt mit Joanna Behrend (GS1 Germany) sowie Dr. Daniel Kendziur (SKW Schwarz) – inklusive einer sehr konkreten Diskussion, was die Richtlinie für Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation praktisch bedeutet. Stark ergänzt durch den Praxisblick von Annika Haus (Ferrero Deutschland).
  • PPWR aktuell: Panel mit Ulrike Danne (GS1 Germany), Dagmar Glatz (dm), Timothy Glaz (Werner & Mertz) und Miriam Oussalah (KPMG Law) – hier ging es um offene Fragen, nächste Schritte und reale Reibungspunkte in der Umsetzung.
  • 2D-Codes & Digital Product Passport (DPP) – sowohl als Expert Tour als auch als Workshop: Man spürte, dass Standards und Datenqualität nicht mehr „Nice-to-have“ sind, sondern die Infrastruktur für alles Weitere.
  • Agentic Commerce: Das Panel „Von Produktdaten zu Produktempfehlungen“ mit Michael Niederee (KPMG) und Dr. Ralph Tröger (GS1 Germany) war besonders spannend, weil es um Erkenntnisse aus mehreren Piloten ging, nicht um Theorie.

Ein weiteres Highlight war die Studie „The Future of Collaboration for Shopper Value“ (u. a. Alexander Fitzthum (GS1 Germany) sowie Harald Dutzler, Yannik Knipprath und Dr. Stephen Eggebrecht (PwC Strategy&)): Mehr Daten, mehr KI, neue Spielregeln und die unbequeme Erkenntnis, dass Kooperation künftig weniger „Projekt“ und mehr Betriebsmodus sein muss.

Stimmung: hochwertige Teilnehmende, ehrliche Gespräche, viel Substanz

Die Atmosphäre war durchgehend lebhaft: In der MOTiON Hall wurde nicht nur genetworkt, sondern wirklich gearbeitet – an Match-Making-Tischen, in spontanen Stand-up-Runden oder nach Sessions direkt mit Referent*innen. Formate wie Mystery Dates, Fish Bowl, World Café oder die Escape Room Challenge lockern auf, ohne ins Alberne zu kippen. Man kommt schneller ins Gespräch und bleibt länger im Thema. Im Video-Studio bat Stefan Schütz Sponsoren und Aussteller vor die Kamera. Die Videos sind auf der Website der ECR iN MOTiON zu sehen und werden in den nächsten Tagen dort publiziert.

Auch Michael Mohr, CEO unseres Kunden plugilo gehörte zu den Sponsoren der ECR iN MOTiON, die vor die Kamera des Videostudios geladen wurden, hier bei der Vorbereitung mit Stefan Schütz.
Auch Michael Mohr, CEO unseres Kunden plugilo, gehörte zu den Sponsoren der ECR iN MOTiON, die vor die Kamera des Videostudios geladen wurden, hier bei der Vorbereitung mit Stefan Schütz, Senior Manager Corporate Communications bei GS1 Germany.

Ausstellung & Aussteller: von Big Playern bis Rising Stars

Die Ausstellung war angenehm „high signal“: sichtbare Schwergewichte wie Henkel (Platin), KPMG und YouGov (Premium), dazu starke Technologie- und Lösungspartner wie Amazon Web Services (AWS), BAYARD, Vusion, Arvato, Domino, pfenning logistics oder POS Tuning. Bei den Solution Partnern war von Daten/Insights (z. B. NielsenIQ, Circana, Kantar) über Plattformen/Integration (SEEBURGER, Syndigo, RELEX Solutions, adesso) bis hin zu Spezialisten wie Systrion oder Yagora viel vertreten. Und die Rising Stars (u. a. GoodsTag, MetraLabs, Murmuras, Packstr, LIGHTHAUSE) sorgten für diese „Da passiert was“-Energie.

Sehr präsent waren auch die Brands & Retail iN MOTiON – von dm, Lidl, Nestlé, Mars, Mondelēz International, Procter & Gamble, Unilever bis Ferrero und Dr. Oetker: Man merkt, dass hier nicht nur geredet wird, sondern dass die großen Player wirklich in den Austausch investieren.

Founders Pitch & Abend: MOTiON NiGHT im Kameha Grand

Mittags zog der FOUNDERS Pitch viele an, mit Startups wie Spreat, Foresaight, byeagain, Circly, CU Mehrweg und StuByte FlexCo (RevealyIQ & MarkenDetektive). Abends ging es zur MOTiON NiGHT ins Kameha Grand Hotel am Bonner Bogen: Lounge, Dancefloor, Networking – und ein erstaunlich guter Ort, um die besten Gespräche des Tages nochmal in Ruhe zu Ende zu führen.

Zwei Michaels mit pluggy. Plugilo auf der ECR iN Motion

Der ein oder andere mag sich nun fragen „Was treibt der Kausch da eigentlich im alten Bonner Regierungsviertel?“ Hängt er mal wieder alten Erinnerungen an Treffen mit Genscher und Citrix im Plenarsaal unterm Bundesadler nach? Ach was. Ich begleitete unseren neuen Kunden plugilo und dessen Gründer und Geschäftsführer Michael Mohr, der mit Stand und Vortrag auf der ECR iN MOTiON präsent war.

Michael Mohr präsentierte plugilo und die Trusted AI Advisory Alliance vor rund 100 interessierten Entscheiderinnen und Entscheidern.

plugilo stellte auf der ECR iN MOTiON die Trusted AI Advisory Alliance vor. Dabei handelt es sich um einen branchenübergreifenden Zusammenschluss von Marken, Herstellern, Handel, Verlagen und weiteren Dateneigentümern. Sein Ziel ist der Schutz der Marken vor falschen Informationen im AI-Zeitalter. Ein hehres Ziel. Aber was heißt das genau?

Das Dilemma der Marken im KI-Zeitalter: Vertrauens- und Kontrollverlust

Heute stehen Markeninhaber doppelt unter Druck:

Zum einen werden die Vertriebskanäle immer komplexer. Der Vertrieb nimmt zunehmend hybride Gestalt an. Neben dem klassischen physischen Vertrieb und dem Online-Vertrieb gibt es alle möglichen Vertriebsformen. Und damit entstehen auch eine Vielzahl neuer Vertriebsunternehmen, einige davon autorisiert von den Herstellern, viele aber auch völlig ungebunden und außer Kontrolle. Es gibt ja nicht nur Pop-Up-Stores, sondern immer öfter auch Pop-Up-Verkäufer, die am Montag ihre Vertriebsaktivitäten starten und am Freitag schon wieder vom Markt verschwinden. Die Anzahl der Vertriebskanäle und -Plattformen wird unüberschaubar.

Entsprechend unübersichtlich sind die Informationskanäle für die Verbraucher und Konsumenten. Diese holen sich ihre Marken- und Produktinformationen aus allen denkbaren Bezugsquellen, zunehmend auch über KI-Quellen, die sich wiederum aus allen möglichen Quellen bedienen.

Künstliche Intelligenz dominiert immer stärker die Inhalte auf allen Plattformen und Kanälen. Leider aber perpetuiert KI auch falsche Informationen über Marken und über Produkte. Was einmal falsch im Netz steht, ist kaum mehr zu korrigieren.

Markenherstellern droht, dass sie die Kontrolle über die Informationen über ihre Marken und ihre Angebote verlieren. Vor Jahren schon ist ihnen die Hoheit über die Nutzererfahrungen genommen worden. Die Erfahrungsberichte – die echten, aber leider auch die gefälschten und frei erfundenen – von Konsumenten dominieren die Kaufentscheidungen. Ich erinnere mich gut an das Jahr, in dem der Reiseveranstalter AIDA seine Internet-Seite vorübergehend zusperrte, weil Interessenten nur noch die zwei oder drei unabhängigen Seiten von AIDA-Touristen mit deren Reiseberichten besuchten.

Wenn die KI die Zusatzstoffe einer Tütensuppe recherchiert und dabei Falschinformationen ständig wiederholt, kann der Hersteller dies kaum mehr korrigieren. Für Allergiker ist die Zutatenliste keine Nebensache. Die Folge von Falschinformationen ist aber auch, dass Verbraucher verunsichert werden und die Qualitätsversprechen von Marken im Wettbewerb an Bedeutung verlieren.

Direkt am Stand von plugilo ließen sich Nils Müller, VP von Procter & Gamble, und Thomas Fell, Lead des Veranstalters GS1 Deutschland, die Lösung von plugilo präsentieren.
Direkt am Stand von plugilo ließen sich Nils Müller, VP von Procter & Gamble, und Thomas Fell, Lead des Veranstalters GS1 Deutschland, die Lösung von plugilo präsentieren.

Die Lösung: Produktauthentifizierung

plugilo, ein in den USA registriertes Tochterunternehmen der deutschen DCI AG, hat nun eine Lösung für dieses Legitimationsproblem der Marken im KI-Zeitalter entwickelt. plugilo setzt auf ein Produktauthentifizierungssystem, bei dem die Hersteller die volle Kontrolle der Markenkerndaten behalten. Jeder Marktteilnehmer kann durch dieses System auf zertifizierte Echtheitsdaten zugreifen. Die Konsumenten können sicher sein, dass z. B. solche zertifizierten „Zutatenlisten“ von Tütensuppen korrekt sind.

An dieser Stelle kommt GS1 ins Spiel. Denn GS1 Germany ist nicht nur der Veranstalter der ECR iN MOTiON, sondern GS1 steht auch hinter der Global Trade Item Number kurz GTIN, früher bekannt als Europäische Artikelnummer (EAN). Diesen EAN-Code kennen wir alle, nicht nur von der Tütensuppe. Weltweit sind mehr als eine Milliarde Produkte mit einem EAN-Barcode ausgezeichnet. Dieser Code dient der Produktauthentifizierung. Und um Produktauthentifizierung geht es ja auch bei der Verifizierung zutreffender „wahrer“ Produktinformationen im KI-Zeitalter.

Und so gab es viel zu meeten und zu diskutieren auf der ECR iN MOTiON in Bonn.

Alle Fotos ©Michael Kausch, PR-Agentur vibrio, München 

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