Verschiedene Zeitschriften zum Thema Gesundheitsmarkt auf einem Messe-Tresen

Gesucht: ein Leitmedium im Health-IT-Markt

Das Potenzial der IT im Gesundheitswesen: zweistellige Milliardenbeträge, zweistellige Wachstumsraten und dennoch fehlt ein Leitmedium. Was für die Pressearbeit heute zur Verfügung steht, ist gemäß Themen und Zielgruppen ausdifferenziert. Wir haben uns anlässlich der DMEA mit der Medienlandschaft genauer beschäftigt.

Wer über IT-Investitionen im Gesundheitswesen spricht, spricht über einen der dynamischsten und kapitalstärksten Märkte in Deutschland. Die Zahlen sind eindrucksvoll – und sie wachsen. Deutschland ist der größte Gesundheitsmarkt in Europa. 2024 lagen die Gesamtausgaben für Gesundheit bei rund 538 Milliarden Euro, was etwa 12,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Innerhalb dieses Marktes hat die Digitalisierung längst eine eigene Dynamik entwickelt. Der deutsche Digital-Health-Markt – inklusive E-Health, Telemedizin und digitale Services – wurde 2024 auf rund 14 bis 15 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2030 auf ca. 47 Milliarden US-Dollar wachsen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 22 bis 23 Prozent.

Ausgebuchte DMEA 2026

Auch im europäischen Vergleich spielt Deutschland eine herausragende Rolle. Der europäische Healthcare-IT-Markt insgesamt lag 2024 bei rund 125 Milliarden US-Dollar und soll bis 2030 auf etwa 283 Milliarden US-Dollar anwachsen (CAGR ca. 14 bis 15 Prozent). Deutschland ist dabei der größte Einzelmarkt in Europa mit einem Anteil von rund 26,5 Prozent an den gesamten europäischen Healthcare-IT-Ausgaben. Kein Wunder, dass die DMEA auch 2026 wieder ausgebuchte Hallen gemeldet hat.

Zu den wesentlichen globalen Wachstumstreibern gehören elektronische Patientenakten, Telemedizin, Analytics und KI sowie cloudbasierte Plattformen, die Effizienz und Versorgungsqualität steigern sollen. Innerhalb dieses Wachstumssegments nimmt Cybersecurity eine immer zentralere Rolle ein: Der globale Markt für Healthcare-Cybersecurity soll bis 2030 rund 56 Milliarden US-Dollar erreichen – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 18 bis 19 Prozent. Treiber sind die zunehmenden Cyberangriffe auf Gesundheitseinrichtungen und wachsende regulatorische Anforderungen.

Die thematischen Schwerpunkte sind dabei: Netzwerk- und Endpointsicherheit, Identity und Access Management, Verschlüsselung, Monitoring und Threat Detection sowie Compliance-Lösungen für DSGVO und weitere regulatorische Vorgaben.

Regulatorischer Rückenwind aus Berlin und Brüssel

Auf nationaler Ebene sorgen gleich mehrere Gesetzgebungsinitiativen dafür, dass die IT-Investitionen im Krankenhaussektor weiter an Fahrt aufnehmen: Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) schrieb vor, dass mindestens 15 Prozent der geförderten Investitionen für IT-Sicherheitsmaßnahmen – etwa Firewalls, Verschlüsselung und Zugriffskontrolle – verwendet werden mussten.

Das Krankenhauspflegeentlastungsgesetz (KHVVG) und der neue Krankenhaustransformationsfonds verstärken diesen Druck nochmals erheblich. Die Krankenhaustransformationsfonds-Verordnung (KHTFV) definiert acht Fördertatbestände, von denen sechs unmittelbar Digitalisierungsthemen betreffen – darunter der Ausbau digitaler Infrastruktur, interoperable IT-Strukturen, sektorübergreifende Datenflüsse und Telemedizin-Netzwerke. Förderfähig sind dabei explizit Investitionen in Beschaffung, Entwicklung und Erweiterung von IT-Systemen, inklusive Maßnahmen zur Interoperabilität und zur Verbesserung der IT-Sicherheit. Möglicherweise lassen sich Netzwerke, Hardware, Server-Kapazitäten, WLAN-Infrastruktur und Applikationslandschaft für grundlegende Modernisierungen fördern, um Reformziele zu erreichen.

Auf europäischer Ebene treibt der European Health Data Space (EHDS) den Bedarf an interoperablen Plattformen und Security-by-Design weiter voran. Der europäische Healthcare-IT-Markt wird sich voraussichtlich bis 2030 nahezu verdoppeln – mit deutlich wachsenden Budgets für Cloud, KI-gestützte Diagnostik- und Security-Tools sowie Zero-Trust-Architekturen im Gesundheitswesen. 

Es geht also um viele Milliarden, jährlich, mit zweistelligen Wachstumsraten, mit klarem regulatorischem Rückenwind. Umso erstaunlicher ist der Blick auf die Medienlandschaft, die diesen Markt begleitet.

Die Medienlandschaft für Health-IT: klein, fragmentiert und mit Lücken

Man sollte erwarten, dass ein Markt dieser Größenordnung eine entsprechend breite und tiefe Medienlandschaft hervorgebracht hat. Doch die Realität sieht anders aus. Die Zahl der Fachtitel, die sich ausschließlich mit IT oder IT-Sicherheit im Gesundheitswesen beschäftigen, ist überraschend gering. Drei Medienkategorien lassen sich dabei unterscheiden.

1. Sektorübergreifende IT-Medien

Die großen, einst auflagenstarken B2B-IT-Fachzeitschriften haben in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung verloren. Die Gründe sind bekannt: rückläufige Anzeigenerlöse durch die Verlagerung der Werbebudgets ins Internet; Leser, die sich zunehmend direkt im Web beim Hersteller oder über kostenlose Online-Quellen informieren und damit einhergehend schrumpfende Redaktionen, die immer breiteren und komplexeren Themenspektren gerecht werden müssen. Dieser strukturelle Druck konnte auch durch unabhängige Ein- oder Zwei-Personen-Redaktion mit einfacher Web-Präsenz oder Newslettern nicht aufgefangen werden – weder in der Tiefe noch in der Breite.

Hier zählen Medientitel dazu wie Computerwoche, CIO, der Vogel Verlag mit seinen Insider-Plattformen unter anderem Security-Insider, Computerweekly.de (Techtarget), IT Daily, Manage IT und das Online-Medium Golem, um nur einige zu nennen. Auch der Platzhirsch heise bietet sogar einen Newsletter zu Digital Health Themen an. 

2. IT-Sicherheitsmedien

Noch spitzer ist die Zielgruppe der IT-Security-Fachmedien. In Deutschland gibt es einige wenige Titel, die sich diesem Themenfeld widmen. Zu den bekanntesten zählen wohl das Vogel Portal Security-Insider und das Fachmagazin IT-SICHERHEIT <kes> (Datakontext Verlag, www.itsicherheit-online.com). Die Fachzeitschrift it Management widmet der IT-Sicherheit jeweils eine eigene Beilage mit dem Titel it-security, online unter IT-Daily zu finden. Die Reichenweiten dieser Titel bewegen sich typischerweise im mittleren vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Bereich.

Eine Ausnahme bilden Sonderausgaben zu Fachmessen: Die it-sa in Nürnberg, Europas größte IT-Security-Messe, generiert alljährlich messebegleitende Sonderausgaben und Specials, die teils fünfstellige Auflagenzahlen erreichen. Auch die digitalen Abrufzahlen dieser Ausgaben sind entsprechend höher. Zu den Themen zählen Endpoint- und Netzwerksicherheit, Cloud Security, Identity & Access Management, Compliance (NIS-2, DSGVO) und Cyber-Resilienz sowie Awareness. Diese Titel liefern gute Übersichten über aktuelle IT-Sicherheitstrends – der Erfolg einiger weniger Titel liegt wohl in der Nische und sorgt für wenig Bewegung in der kleinen Medienlandschaft, aber nachhaltige Präsenz.

3. Gesundheitsmarkt-spezifische IT-Titel

Hier wird die Medienlandschaft interessanter – und gleichzeitig deutlicher, wo Lücken klaffen. Explizit auf IT im Krankenhaus ausgerichtet ist in Deutschland vor allem das Krankenhaus-IT Journal (www.krankenhaus-it.de, Antares Computer Verlag). Es erreicht laut eigenen Angaben (Stand 2026) eine Gesamtauflage von 10.000 Exemplaren – 4.000 in Print, 6.000 digital. Das Journal berichtet anwenderorientiert nach dem Motto „Von Anwendern für Anwender“. Dazu tragen Partnerschaften mit dem Bundesverband Krankenhaus-IT, der Entscheiderfabrik und Kritischer Stammtisch bei. Weiterhin kooperiert das Krankenhaus-IT Journal eng mit dem IT-Sicherheits-Magazin, um den Security-Fokus zu schärfen. Ergänzt wird das Angebot durch das Krankenhaus-KI Journal, das die Schnittstelle zwischen IT und Künstlicher Intelligenz im Krankenhaus beleuchtet. Das Messejournal zur DMEA erscheint jährlich als Beilage und begleitet die wichtigste Digital-Health-Messe im deutschsprachigen Raum.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Titeln, die Krankenhaus-Management insgesamt adressieren und IT-Technologie als feste Rubrik führen, ohne jedoch einen expliziten IT-Technologie-Fokus zu setzen, hier eine alphabetisch geordnete Aufzählung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

– f&w – führen und wirtschaften im Krankenhaus (Bibliomed Verlag, www.bibliomedmanager.de): Das deckt unter anderem das Ressort Klinik-IT, E-Health und Digitalisierung ab. Zuletzt wurde die neue Rubrik „Innovation und Technik“ eingeführt, um der wachsenden Bedeutung von IT, KI und Cybersicherheit im Krankenhaus gerecht zu werden.

– das Krankenhaus (Kohlhammer Verlag, im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft DKG, www.daskrankenhaus.de): Als offizielles Organ der DKG ist es tief im Führungsbereich der Krankenhäuser verankert. Themen wie Controlling, Informationsverarbeitung und Krankenhaustechnik sind feste Bestandteile der Berichterstattung.

– e-health com erweitert den Themenbereich um Telemedizin und vernetzte Medizintechnik und besteht seit 20 Jahren im Markt. 

– healthcare digital gibt es nur noch als online Portal. Wer Health-IT-Themen im Vogel Verlag gedruckt lesen will, muss auf die zwei Specials von eGovernment zurückgreifen. Die Empfängerzahl des Newsletters bewegt sich im hohen vierstelligen Bereich, Pageimpressions im mittleren fünfstelligen Bereich, laut Eigenangaben vom Augst 2025.

– Digital Health Newsletter (heise). Das führende IT- und Technologie-Informationsportal heise bündelt alle Berichte zu gesundheitsrelevanten Themen unter einem Link. Dort lassen sich zweiwöchentliche Updates auch als Newsletter abonnieren. Viele Berichte sind offen zugänglich, manche nur mit heise+-Abo. Auch hier bietet heise eine bewährte Inhaltsmischung aus Aktualität und Thementiefe. Ein Leseranalyse des gesamten Angebots von heise ergibt allerdings, dass nur 16 Prozent der 357.000 B2B-Entscheider unter den Lesern eine Ausbildung in Medizin, Pharma oder einer anderen Naturwissenschaft haben (außer Ingenieure und Informatiker) und nur 7 Prozent aus dem Gesundheits- und Sozialwesen kommen. Gemessen an der großen Gesamtreichweite dürfte heise damit auch zu den führenden E-Health-Informationsportalen gehören.

– kma (Klinik Management aktuell) zeigt an der fünfstelligen Auflage und den Portalzahlen im deutlich sechsstelligen Bereich, dass es weit mehr als nur Technologie-(IT-)Themen für das Gesundheitswesen präsentiert. Unter „Aktuelles“ werden denn auch noch acht weitere Rubriken geführt.

– KTM – Krankenhaus Technik + Management: Mit mehr als 9.000 Exemplaren (IVW-geprüft) eine der meistbeachteten Technologie-Publikationen für den Healthcare-Bereich im deutschsprachigen Raum. KTM deckt praxisrelevante Technologiethemen für Entscheidungsträger im Krankenhaus ab – die April-Ausgabe zur DMEA 2026 stand beispielsweise im Zeichen von IT-Systemen, KI und Cybersecurity.

– Management & Krankenhaus zählt online sieben Rubriken, eine davon ist E-Health. Wie der Titel schon sagt, richtet sich auch diese Print-Publikation an, nach eigener Aussage „deutschlandweit die meisten Leser im stationären Gesundheitswesen“. Das dazugehörige Portal adressiert Geschäftsführung, Verwaltung, Management und auch IT-Entscheider. Hervorzuheben ist hier der Newsletter, der laut Eigenangaben mehr als 22.000 Empfänger zählt. Es wird eine „gesamte digitale Reichweite pro Monat“ von ca. 130.000 angegeben. 

– Der mednic Newsletter richtet sich speziell an Digital Health Professionals unter Krankenhaus- und niedergelassenen Ärzten sowie IT-Entscheidern im Gesundheitswesen. Der Newsletter positioniert sich ausdrücklich als “verbands- und herstellerunabhängige News-Plattform”. Das Portal Mednic zählt 10.000 Unique User und 1.800 persönliche Abos für den Digital Health Newsletter mit mehr als 7.000 „Zustellungen“. 

Tagesspiegel Background Gesundheit und E-Health: Der Markt für hochwertige Fachinformationen vor allem mit der Zielgruppe Politik, Entscheider und Beeinflusser in Berlin wächst. Jede große Tageszeitung vermarktet ihre tiefgründigen Newsletter. Der Berliner Tagesspiegel hat seine „Background“ genannten Newsletter im Angebot, auch einen zu Gesundheit & E-Health. Für 30 Minuten tägliche Information zahlt man zwischen 140 und 200 Euro monatlich. 

Diskrepanz Marktvolumen zu Medienlandschaft

Insgesamt ist die Zahl der allgemeinen B2B-Titel im Gesundheitswesen deutlich höher als die Zahl der Titel, die der Technologie- und IT-Kommunikation Plattformen bieten. Die Reichweite der dezidiert IT-fokussierten Titel bleibt dabei begrenzt – verglichen mit der Marktbedeutung der Themen, über die sie berichten. Grundsätzlich gibt es natürlich Überschneidungen, wenn es um den Übergang von IT zu IT-gesteuerten Medizingeräten sowie Medizintechnik geht; hier kommen wieder ganz andere Publikationen zum Tragen, die an dieser Stelle nicht erwähnt sind.

Fazit: Ein Markt, der ein echtes Leitmedium verdienen würde

Trotzdem ist die Diskrepanz offensichtlich: Auf der einen Seite ein Markt, der 2024 allein in Deutschland im zweistelligen Milliardenbereich liegt, mit Wachstumsraten um die 20 Prozent, milliardenschweren Fördertatbeständen durch KHZG und Krankenhaustransformationsfonds, und einem regulatorischen Druck, der IT-(Sicherheits-) Investitionen zur Pflicht macht.

Auf der anderen Seite eine Medienlandschaft, die in ihrer Gesamtheit überschaubar ist und deren reichweitenstärkste Spezialmedien im vierstelligen bis niedrigen fünfstelligen Auflagenbereich verbleiben. Das sollte doch Raum lassen für die Erweiterung bestehender Titel oder für eine neue publizistische Plattform, die Investitionsentscheider in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen gezielt mit der Tiefe und Qualität begleitet, die ein Markt dieser Größenordnung verdient. Der Markt hat eine klar definierte Zielgruppe, hohen Informationsbedarf und – gemessen an den bewegten Summen – eine verhältnismäßig unbespielte Bühne. Wird sich vielleicht in Zukunft ein medialer Platzhirsch erst noch entwickeln? 

Titelbild: © Markus Pflugbeil auf DMEA 2026

Beitrag teilen

LinkedIn
Facebook
Pinterest
XING
Telegram
WhatsApp
Threads
Email
Print

Weitere interessante Artikel

DMEA 26 Von der Spree an die Isar

Tschüss Berlin, Grüß Gott München – DMEA 26 im Zeichen des Umzugs

Die DMEA, Messe für Digital Health, 26 fand letztmals in Berlin statt und zieht künftig nach München um. Parallel plant die Messe Berlin mit dem BITKOM die konkurrierende „Smart Health Europe“ – zum selben Termin. Das verärgert Aussteller, die sich zwischen beiden Events entscheiden müssen. Inhaltlich dominierten KI, KIS und IT-Sicherheit. Fazit: solide Messe, die Vorarbeit von Marketing und Vertrieb für den Erfolg erfordert.

Weiterlesen »

Branche Healthcare

Branche Healthcare Die Märkte der Gesundheitsversorgung sowie der industriellen Gesundheitswirtschaft zählen zu unseren Branchen-Schwerpunkten. Die Firma Cerner mit ihrem Krankenhausinformationssystem war einer der ersten Kunden

Weiterlesen »

Bewegung in der Medienlandschaft: Neue Gattung „High-end“-Newsletter

Mit den High-end-Zielgruppen wollen sich Verlagsunternehmen und Verlegerpersönlichkeiten neue Einnahmequellen in der Zielgruppe der Top-Entscheider erschließen, die sich teure Firmen- oder Behördenabos leisten können. Für die Presse- und Medienarbeit bedeutet der Journalismus, der abseits des Zeitschriftenkiosk und von öffentlich zugänglichen Online-Plattformen stattfindet, neue Herausforderungen.

Weiterlesen »

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert